Menstruieren.

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It’s THAT time of a month – again.

Ich wusste, dass die Bloodgates sich bald öffnen würden, denn erstens hab ich eine App, die mir Bescheid sagt, wenn es so weit ist, und zweitens macht mein Körper alle denkbaren Sperenzchen. Jedes. verdammte. Mal.

Manchmal denke ich, mein Körper rächt sich an mir, weil ich ihn noch nie besonders gern hatte und dementsprechend rücksichtslos mit ihm umgegangen bin. Das ist mir lange gar nicht aufgefallen, bis ich einmal, im Ferienlager, beobachtet habe, wie Andere ihre Körper begutachteten, streichelten, wuschen, cremten, rasierten, schminkten. Ich putzte mir grade mal die Zähne und empfand das schon als große Belastung. So wenig wie ich meine Schuhe oder Kleidung pflegte (es war eh gebraucht und hey, es ist ein Nutz!Objekt!), pflegte ich auch meinen Körper. Andererseits habe ich auch immer akzeptiert, dass mein Körper anders ist als der anderer Leute und eben nicht so schnell und schon gar nicht so weit rennen kann wie andere. Und mehr schwitzt. Und größer ist als der der meisten. Irgendwie war mir das immer – gleichgültig.

Und dann wurde ich 13. Oder 14. Und plötzlich ging wie ein Aufschrei durch meinen ganzen Körper. Ein stechender Schmerz, der sich vom Unterleib aus zuerst in die Leisten setzte, dort gemütlich Platz nahm, um dann an den Vorderseiten der Oberschenkel entlang bis in die Knie zu wandern, und vom Steißbein aus die Wirbelsäule hinauf bis in die Schultern. Ich wusste, was los war. Und hasste es vom ersten Augenblick an. Die ersten paar Jahre war es so schlimm, dass ich schreiend und mich krümmend vor Schmerzen zu Hause blieb, wenn es wieder ans Menstruieren ging. Ich hörte alle Geschichten darüber, dass [Vorsicht, Cissexism follows nach der Linie:]


„wir“ „Frauen“ wegen der Menstruation stärker seien. Oder schwächer. Emotionaler. Oder tougher. Dass Evas Sünde der Grund für diese monatliche Qual sei. Dass die Mens „uns“ adle. Uns entgifte. Uns dreckig mache, und anfälliger für Infektionen. Und den größten Bullshit aller Zeiten: Dass ich jetzt „erwachsen“ sei und „eine richtige Frau“. Ich habe nie darum gebeten, „eine richtige Frau“ zu sein. Und ich denke nicht, dass bluten mich zu einer macht.


 

Ich hasste meinen Uterus. Eigentlich hasse ich ihn noch immer. Jeden verdammten Monat stört diese Körperfunktion meinen Rhythmus. Immer wenn ich mir gerade einen verdammten Rhythmus für mein Leben erarbeitet habe, kommt das Blut. Meine (leichte) Depression, die ich ansonsten meistens relativ gut in meinen Alltag integrieren, ruhig halten kann, kommt mit ihm. Ich hatte sie schon immer in mir, diese Leere, aber wenn das Blut fließt, übernimmt sie das Steuer und ich gehe unter. Alles ist ein Nebel, alles ist Schein und fake, nur die Leere, die ist echt echt.

Und trotzdem zwinge ich mich zur Arbeit. Nehme eine Schmerztablette, die nicht hilft. Mache meinen Job. Lächle gezwungen. Komme irgendwie durch den Tag. Klar ist das aushaltbar, ich halte es ja aus, und Millionen andere menstruierende Menschen auf der Welt auch. But please, please, please, stop telling me, dass da irgendwas Schönes dran wäre, irgendwas Gutes, irgendwas Persönlichkeitsbildendes. Ich bin doch kein besserer oder schlechterer Mensch, weil ich jeden Monat blute?!? Wer hat sich den shit ausgedacht.