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Was denn, willst du etwa in reaktionäre, biologistische Geschlechtsvorstellungen hineinspielen und so tun, als wäre Sexismus in biologischen Tatsachen begründet?!?

Nö. Will ich nicht.

Es ist aber Fakt, dass es Leute gibt, die einen Uterus haben (Hint: nicht alle sind Frauen*), und manche von denen können sogar Kinder gebären (Hint: auch nicht alles Frauen*). Es gibt außerdem Leute, die werden gemeinhin „zeugungsfähig“ genannt (Doppelhint: davon sind auch manche Frauen*, manche sind auch trans*, genderqueer, non-binary, … manche sind Männer*). Es gibt übrigens auch Leute aller Geschlechter, die weder gebär- noch zeugungsfähig sind.

Auch Fakt ist, dass die mit der Gebärfähigkeit so ca. um die neun Monate rum das reifende Kind in ihrem Uterus mit sich herumschleppen. Soll nicht nur angenehm sein, habe ich gehört.

Auch Fakt ist, dass die Pflege und Aufzucht von Kindern zu einem niederschmetternden Großteil an denen hängen bleibt, die die Gebärfähigkeit haben und das Kind geboren haben.

Daraus folgt: Menschen mit Gebärfähigkeit bringen ein relativ hohes Risiko mit, dass sie für 9 (bzw. 6, oder 3) Monate + „Mutter/Vater“-Schutz für die Produktionssphäre ausfallen. Potenziell unangenehm für die Ausbeuterklasse. Nicht dass ich was dagegen hätte, Dinge für die Ausbeuterklasse unangenehm zu machen. Nur leider wälzen die das immer so gekonnt auf die Ausgebeuteten um.

Trotzdem: Ich verstehe das nicht, ehrlich gesagt. Ich mein, 9 Monate mit so einem Wesen in eine_r_m rum laufen, das ist echt schon anstrengend genug. und ganz schön riskant noch dazu. Es geht dabei doch um die überaus wichtige Reproduktion der Gesellschaft (wobei Nicht_Reproduktion der Gesellschaft bei der aktuellen Gesellschaft wohl die bessere Alternative wäre). Warum um Himmels Willen ist und bleibt das scheinbar Privatsache, meist der gebärfähigen/gebärenden Menschen? Haben die ihren Teil nicht nach neun Monaten Körperuntervermietung (gegen ohne Gegenleistung) abgeleistet? (als ob die etwas abzuleisten hätten!)

Nur weil aus dem Austausch von Körpersäften zweier Körper ein neues Wesen entsteht, heißt das doch nicht, dass einzig die beiden an der Zeugung beteiligten Personen eine Verantwortung für das entstandene Wesen haben können/müssen/sollen. Besonders nicht, wenn Kondome meist nur gegen Geld zu haben sind und die Pille danach sowieso schon mal nur mit Hindernissen überhaupt zu bekommen ist.

Jetzt will ich hier kein Plädoyer dafür starten, dass frischen Eltern ihre Kinder weggenommen werden sollen, um sie im Brave New World-Style in einer Großziehfabrik zu perfekten Arbeiter_innen zu machen, um Himmels willen, nein. Aber müssen Eltern denn so verdammt allein gelassen werden?

Vergesellschaftungsversuche scheitern bislang an der Unvereinbarkeit der Reproduktionssphäre mit der kapitalistischen Verwertung. Das Problem der Carearbeit wird nur immer weiter an die nächstuntere gesellschaftliche Klasse verschoben. Liegt DA revolutionäres Potenzial?

PS: Wieso und seit wann mache ich mir eigentlich Gedanken über Elternschaft? Ich mag kein Kind gebären, obwohl ich es wahrscheinlich könnte. Aber alles hängt mit allem zusammen. Und meine – von mir und „der Gesellschaft“ – angenommene Fähigkeit, Kinder zu gebären, beeinflusst mein Leben. Und der gesellschaftliche Nicht_Umgang mit jungem Leben steht in einem großen Kontext und mehr dazu bald mit Silvia Federici, von der ich grad inspiriert bin und die dazu viel mehr, besser, differenzierter was sagt. Ich werde euch berichten.

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