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Wir sitzen am Frühstückstisch mit unserem Namensschildchen drauf in der günstigen Nordseepension, die eigentlich für sozial schwächere Großfamilien gedacht ist. Am Nebentisch: Die Großfamilie. Die ganze Woche schon hatte ich Eltern bedauert, überall, am Strand, im Ort, in der Gaststätte, im Supermarkt, im Schwimmbad, bei den öffentlichen Toiletten, am Kiosk, auf dem Naturpfad, am Hafen, auf der Fähre, überall. Schreiende Kinder, lachende Kinder, singende, summende, lamentierende, brabbelnde Kinder, mir scheint, Kinder machen immer Lärm, egal in welchem Gemütszustand sie sich gerade befinden. Und jetzt – jetzt ist da diese Großfamilie, Mama, Papa, Tante, 6 Kinder.

Sechs. Kinder.

Und ich schaue rüber, wie sie da so steht, diese Rasselbande, und sie kommen mir vor wie die Verkörperung der Kinder aus Bullerbü. Sie kommen normalerweise nicht zum allgemeinen Frühstück, sondern machen sich stattdessen Pancakes in der Küche ihres Apartements. Den Deal haben sie mit ihren Eltern: Der Kleinste bleibt bei den Geschwistern, die Älteren dürfen für alle Pancakes machen und die Eltern frühstücken in Ruhe unten im Saal. Everybody wins. Heute sind die Kids kurz nach unten gekommen, weil sie etwas ausgeheckt haben und das mit den Eltern gegen checken wollen. Sie sind enthusiastisch, lebenslustig, freudig, energetisch. Sie sind ein lustiger Haufen, so vertraut, so selbstverständlich im Umgang miteinander. Jede_r ist für sich, aber doch sind sie alle gemeinsam. Ich schaue sie an, mein Auge tränt. Mama fragt, was los ist, ich lächle.

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