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Es ist mir lange Zeit gar nicht in den Sinn gekommen, dass diese Gefühle von Hingezogen-Sein und Zeit-mit-ihr-verbringen-wollen-bis-ans-Ende-aller-Zeit irgendwas mit Liebe und Romantik zu tun haben könnten.

Sehnsucht – das empfinden doch Frauen(TM) für Männer(TM).

Alles, was ich für manche meiner Freundinnen und Mädchen/Frauen in meinem Leben empfand, stellte ich in einen anderen Kontext. Ich wollte nicht mit ihnen ‚gehen‘, ich wollte ihre beste Freundin sein.

alles mit ihnen teilen
alles mit ihnen teilen
alles mit ihnen teilen
alles mit ihnen teilen
alles mit ihnen teilen

Ich war auch nicht eifersüchtig oder verletzt, wenn sie in einen Jungen verliebt waren, mit einem Jungen gingen, ihn küssten, mit ihm schmusten und kuschelten.
Aber ich wollte alles mit ihnen teilen.

Da war L., in deren Clique ich aufgenommen wurde, indem ich begann, einen ihren Sport (mit) zu machen. Ich war wie ein Satellit von ihr, immer in ihrem Umkreis und missachtete lange Zeit die freundinnenschaftlichen Angebote anderer Klassenkamerad_innen. Ich war deshalb unglaublich einsam und fragte mich oft, warum ich mich nicht mit anderen (netten, interessanten, an mir interessierten) Menschen befreunden wollte. Aber ich wollte alles mit IHR teilen.

Die Jungen, in die ich mich verliebte, wählte ich danach aus, wie nah sie in dem Kreis der Wunsch-besten-Freundin waren. Danach, wie sehr sie mich bewundern würde, wenn ich mit diesem Jungen ginge.

Manchmal schlug der Wunsch nach Nähe auch um in ein so-sein-wollen-wie-sie. Dafür gab es Vorbilder, das hatte ich gesehen, oft, im Fernsehen, im eigenen Umfeld, in Büchern davon gelesen. So wurden zwei Mädchen unzertrennlich, wurden eins. Was bei Mädchen/Junge der Kuss, die Leidenschaft, die Sehnsucht war – das war bei Mädchen/Mädchen das Freundinnenschaftsarmband, das sich-ähneln, das sich-Austauschen-über-die-Jungs.

alles mit ihr teilen
alles mit ihr teilen
alles alles alles

Nun bin ich 30 Jahre alt. Ich habe verstanden, dass das, was ich für Frauen* empfinde, auch Sehnsucht, Leidenschaft, Liebe sein kann. Ich habe keine Erfahrung damit, das auch zu leben. Ich weiß nicht, wie das geht. Ich bin ein Küken. Irgendwie dann doch eine Hetera?

Wie schwach und klein ich doch die ganzen Jahre war (und immer noch bin). Andere schaffen doch auch, ihre Gefühle anzunehmen für was sie sind, sich gegen alle Erwartungen zu stellen, ihr Begehren# als solches auch einzuordnen.

Ich schaffte es nicht.
Will nur: alles mit ihr teilen.

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# denken hier jetzt alle an Sex?

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