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Supernatural, Staffel 11. Spoilers und so.

Ich hab endlich mal mein Supernatural aufgeholt. Staffel 9, 10.. the usual stuff. Ich mag Supernatural sehr, weil es spannend und witzig genug ist, dass ich es weiter gucken will, aber nicht so anspruchsvoll, dass es meine ungeteilte Aufmerksamkeit braucht. Ich lasse es oft beim Kochen, Putzen, Surfen im Hintergrund laufen und entgehe so einem meist ärgerlichen Fernsehprogramm und meiner Einsamkeit – zwei auf einen Streich, yay.

Enter: Staffel 11. Enter: The „Darkness“.

Ja, zunächstmal ist auch die Dunkelheit einfach the next big bad, wie das halt so läuft bei Supernatural. Aber dann stellt sich raus: Sie ist die große Schwester Gottes. Sie war vor ihm da. Er hatte Angst, dass ihre Schöpfung besser sein könnte als seine. Darum sperrte er sie weg. Sie ist – sauer.

Das verbindet sich so wunderschön mit der Aussage von Metatron, Gott sei „ziemlich misogyn“!

Und zweitens, was ich nämlich sehr mag, plötzlich bekommt man das Gefühl, man sei die ganze Zeit auf der „bösen“ Seite gewesen und dadurch verschwimmen die Kategorien von Gut und Böse und Moral wird schwammig und scheinheilig und man merkt: eigentlich geht es nur um Interessen! Jaja, Binsenweisheiten. Aber in Hollywood, oder meinetwegen irgendeinem anderen Action-/Thriller-/SciFi-/whatever-Universum lebt die Story so oft von der guten und der bösen Seite, der hellen und der dunklen Seite der Macht usw.

Die Licht-/Schatten-Konnotationen machen dabei auch noch einen zusätzlichen Rassismus-Diskurs auf, der ja schon mit der Bibel beginnt (irgendwas von wegen Licht und Dunkelheit und Gott teilt die und macht Tag und Nacht draus – die erste Binarität laut der Bibel, hm). Wobei natürlich konstruiert das Dunkle böse und das Helle gut ist. Tja, und dann kommt da diese Darkness bei Supernatural, die nichts wollte, als auch ihre eigene Welt zu erschaffen und dann von ihrem kleinen Bruder (supposedly das „Licht“?) einfach eingesperrt wird. Hallo? Wer war hier nochmal böse? Ja, genau. Eben. (Btw ist Darkness mit Emily Swallow mit einer weißen Schauspielerin besetzt, der rassistische Diskurs um hell/dunkel wird also nicht auch noch durch die Besetzungspolitik bedient, wobei der Cast bei Supernatural sowieso insgesamt einfach seeeehr weiß ist [siehe hier eine Diskussion zu Rassismus in Supernatural]).

Das Einzige, was mich stutzig macht und irgendwie nicht passt (außer – plot-twist – alles was Darkness über sich erzählt wäre eine Lüge [pls no]), ist dass Darkness sich von Seelen ernährt. Dass sie überhaupt Nahrung braucht. Ich mein, hey, sie ist eine Göttin! Und ja, mir ist schon klar, dass Amara als Inkarnation der Darkness quasi auf Jesus als „Sohn“/Inkarnation Gottes anspielt/zurückgreift. Das erkärt mir aber immer noch nicht, wieso die Darkness Seelen isst. Die Schreibenden mussten ihr wohl noch irgendwas geben, was ihre Positionierung als Feindin/Gegnerin plausibler macht – denn außer den von ihr vereinnahmten Seelen und irgendwelchen Gruselstories, die eh eigentlich keine_r glaubt, scheint Amara bis zum Massaker unter den „Lieblingen Gottes“ eher wie eine damsel in distress, die aber halt so stark und mächtig ist, dass sie keine Hilfe braucht. Eine damsel in distress, die sich selbst rettet/rächt! Wobei so mächtige Frauen dann eben auch einfach eine Bedrohung sind, egal was sie wollen, wer sie sind und was sie vorhaben, nech.

Ja, well, (fast) alles toll, nä? Geht so.
Dieses Set-Up, wo schon das Göttliche in Schwester/Frau/Dunkelheit vs Bruder/Mann/Licht aufgeteilt ist, ist nämlich dann letztlich leider doch einfach ein zutiefst cissexistisches, das die Geschlechtsbinarität sogar noch vor die Natur und in das Göttliche hinein projiziert. Als würde die Geschlchterordnung selbst dem Göttlichen voraus gehen. Und der uralte Rosenkrieg der Geschlechter begann schon VOR der Erschaffung der Welt. Na, da können wir ja lange dran arbeiten, diese Ordnung zu überwinden! Schade, irgendwie, denn hier hätte doch eine subtil-radikale Absage an die Geschlechterordnung sehr gut stattfinden können, stattdessen same old, same old. Zugegebenermaßen mit dem lustigen Nebeneffekt, dass aus Gott ein petty old white guy wird, der den Konflikt mit seiner Schwester bis ins Unendliche in seiner Schöpfung ausagiert. Da muss ich schon ein bisschen schmunzeln bis sogar kichern.

 

 

 

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